Frauen laufen durch die ein Dorf in Afghanistan
Frauen in Afghanistan.
© Nava Jamshidi/WHI/Fairpicture

Weil im Jahr 2025 internationale Gelder wegbrachen, stieg der Druck auf lokale Gesundheitssysteme weltweit. Besonders in fragilen Kontexten trifft dies die Schwächsten – und gefährdet mühsam erreichte Fortschritte in der Mutter-Kind-Gesundheit.

Veröffentlicht am 9. April 2026

Gebärende Frauen, Kinder mit Durchfall, ältere Menschen mit Fieber: 2025 standen sie zunehmend vor verschlossenen Türen von Gesundheitseinrichtungen. Allein in Afghanistan mussten 422 Gesundheitszentren

schliessen, nachdem Regierungen rund um den Globus ihre Entwicklungsgelder gekürzt hatten. Heute hat

jede dritte Person im Land keinen Zugang mehr zu grundlegender Gesundheitsversorgung.
Was wir derzeit erleben, ist ein tiefgreifender Wandel in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit: Regierungen in traditionellen Geberländern kürzen Budgets oder schichten Mittel gezielt um – es gibt einen Trend weg von langfristiger Armutsbekämpfung und öffentlicher Gesundheitsversorgung, hin zu innen- und

sicherheitspolitischen Ausgaben und geopolitischer Einflussnahme.

In fragilen und krisengeprägten Ländern mit chronisch unterfinanzierten Gesundheitssystemen bedeutet

der Wegfall externer Mittel keinen Rückgang von Leistungen, sondern einen Zusammenbruch tragender

Systeme, den nationale Strukturen kurzfristig nicht auffangen können.

Schmerzhafte Entwicklungen

Besonders gravierend sind die Folgen im Bereich der Mutter-Kind-Gesundheit. Frauen und Mädchen verlieren

oft als Erste den Zugang zu medizinischer Versorgung. In Bangladesch etwa schränkte die Regierung in unserer Projektregion die Auslieferung von Medikamenten und medizinischen Geräten ein – mit drastischen Folgen

für Schwangere, Mütter und Neugeborene. In Äthiopien berichtet unser lokaler Partner Organization for Welfare and Development in Action (OWDA), aufgrund der Kürzungen rund 8000 besonders verletzliche Menschen

nicht mehr erreichen zu können. Das Gesundheitsministerium musste zudem etwa 5000 Mitarbeitende entlassen, rund 200 NGOs wurden gezwungen, Projekte anzupassen oder einzustellen.

Diese Entwicklungen schmerzen uns sehr. Sie verschieben den Fokus von nachhaltigem Kapazitätsaufbau

hin zu kurzfristigen Massnahmen, die grundlegende Versorgungslücken nicht schliessen können. Fortschritte

bei der Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit drohen so verloren zu gehen. Für uns ist klar: Mutter-Kind-Gesundheit ist kein technisches Randthema, sondern ein Seismograf für den Zustand globaler Solidarität. Wenn hier gekürzt wird, zeigt sich, welche Leben als schützenswert gelten – und welche nicht.

Unsere Wirkung in Zahlen

Grafik von Zahlen zum Jahresrückblick
Grafik von Zahlen zum Jahresrückblick
Grafik von Zahlen zum Jahresrückblick

Frauen laufen für Frauen
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