Der Bund will die internationale Entwicklungszusammenarbeit weiter abbauen. Die Berner NGO Women’s Hope International schlägt Alarm: Die Kürzungen gefährden die Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen weltweit – und kosten Leben. Mit einem Appell für sichere Geburten ruft die Organisation die Öffentlichkeit dazu auf, jetzt ein Zeichen zu setzen.
22. April 2026
Die internationale Zusammenarbeit steht in der Schweiz erneut unter Druck – mit potenziell katastrophalen Folgen. Der Bundesrat will die Mittel weiter reduzieren, obwohl die öffentliche Entwicklungsfinanzierung laut OECD bereits auf einem historischen Tiefstand liegt.
Dabei zeigt sich die Bevölkerung klar zurückhaltend gegenüber weiteren Kürzungen: Eine Umfrage der ETH Zürich von Anfang April belegt, dass rund drei Viertel dagegen sind. 77 Prozent wollen die Ausgaben mindestens stabil halten oder erhöhen.
Women’s Hope International setzt sich dafür ein, dass Frauen im Globalen Süden sicher gebären können – und warnt vor den Folgen der Sparpolitik: «Noch immer stirbt alle zwei Minuten irgendwo auf der Welt eine Frau an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt – an meist vermeidbaren Ursachen», sagt Selina Leu, Kommunikationsverantwortliche der Organisation.
«Weniger Mittel bedeuten weniger Hebammen, weniger funktionierende Gesundheitseinrichtungen und weniger Zugang zu lebensrettender Versorgung.» Lange Zeit habe es Fortschritte bei der Senkung der Müttersterblichkeit gegeben. «Die Budgetkürzungen drohen diese nun rückgängig zu machen», so Leu.
Parallel zum Rückgang internationaler Hilfe nehmen humanitäre Krisen zu. Der Bürgerkrieg im Sudan etwa hat Millionen Menschen zur Flucht gezwungen – viele davon in den Tschad, ein Partnerland von Women’s Hope. «Schwangere Frauen und Mütter mit Neugeborenen brauchen ein Dach über dem Kopf, Wasser, Essen, medizinische Versorgung», sagt Leu. Der Bedarf an Unterstützung sei enorm, doch bislang konnte nur etwa ein Drittel gedeckt werden.
Vor diesem Hintergrund lanciert die Berner NGO morgen Donnerstag einen Appell für sichere Geburten. Der Appell fordert, die Finanzierung für globale Gesundheitsprogramme zu sichern und auszubauen – und ruft die Bevölkerung dazu auf, ein deutliches Zeichen zu setzen. «Für uns ist klar: Keine Frau sollte sterben, während sie Leben gibt», sagt Leu von Women’s Hope. «Dass weiterhin so viele Frauen unnötig sterben, ist nicht nur eine Tragödie – es ist das Resultat politischer Entscheidungen.»
Selina Leu, Verantwortliche Kommunikation
Women’s Hope International
031 991 55 56 / selina.leu@womenshope.ch