Safe Motherhood Ambassador sensibilisiert über Geburtsfisteln, Äthiopien.
Safe Motherhood Ambassador sensibilisiert über Fisteln, Äthiopien.
© Selina Leu/WHI

Geburtsfisteln zählen zu den schwersten Folgen einer komplizierten Geburt – und sie wären in vielen Fällen vermeidbar oder heilbar. Seit 2025 arbeiten wir in Äthiopien mit einer neuen, erfahrenen Partnerorganisation zusammen: Healing Hands of Joy.

Veröffentlicht am 9. April 2026

«Diese Frauen haben die schwierigste Zeit ihres Lebens durchgestanden. Und sie finden die Kraft, weiterzumachen. Wir können viel von ihnen lernen.» Wenn Meselech Seyoum, Landesdirektorin von Healing Hands of Joy, über ehemalige Fistelpatientinnen spricht, wird deutlich, wie hier Menschlichkeit und ein feines Gespür für Potenziale zusammenkommen.
Dieses Potenzial weiss Healing Hands of Joy gezielt zu nutzen. Die Vision der Organisation ist ein Äthiopien, in dem keine Frau mehr unter einer Geburtsfistel leidet. Dafür setzt sie auf drei zentrale Pfeiler: Prävention, Identifikation und Reintegration – wobei Betroffene selbst eine tragende Rolle

übernehmen. In ihren Dörfern sprechen sie mit Frauen über die Bedeutung einer guten medizinischen Schwangerschaftsbetreuung und ermutigen sie sowie ihre Familien, der Gesundheit werdender Mütter Priorität einzuräumen.

Hausgeburten sind Alltag – und gefährlich

Noch immer bringt etwa jede zweite Frau in Äthiopien ihr Kind zu Hause zur Welt. Die Gründe dafür reichen von fehlendem Wissen über Risiken von Schwangerschaft und Geburt bis hin zu eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung. Wenn ehemalige Fistelpatientinnen ihre eigene Leidensgeschichte teilen, rüttelt das auf. Zugleich ermöglicht ihre Offenheit, weitere Fistelbetroffene zu erreichen: Frauen, die oft über Jahre hinweg zurückgezogen und in grosser Armut leben. Durch ihr Engagement leisten die «Safe Motherhood Ambassadors», wie Healing Hands of Joy sie nennt, nicht nur lebenswichtige Präventionsarbeit. Sie gewinnen auch Selbstvertrauen und ihre gesellschaftliche Anerkennung zurück – etwas, das viele von ihnen zwischenzeitlich verloren hatten.

Safe Motherhood Ambassador, Äthiopien.
Safe Motherhood Ambassadors, Äthiopien.
© HHoJ

Heute engagieren sich rund 3000 ehemalige Fistelbetroffene ehrenamtlich für Healing Hands of Joy und erreichen jährlich tausende Schwangere. Die Organisation bereitet die Botschafterinnen mit Schulungen und Informationsmaterialien auf ihre Aufgabe vor. Ergänzend führt Healing Hands of Joy Sensibilisierungskampagnen auf Märkten und im Radio durch und schult in Workshops Schlüsselpersonen wie Hebammen oder religiöse Führungspersonen. Die Organisation ist in 44 ländlichen Distrikten Äthiopiens tätig und beschäftigt rund 70 lokale Vollzeitmitarbeitende. Seit 2025 setzt sie gemeinsam mit Women’s Hope in der Wolayita-Zone ein Projekt um, mit dem Ziel, Geburtsfisteln langfristig zu beenden und das Gesundheitssystem nachhaltig zu stärken. Denn noch immer erhält jährlich nur ein Bruchteil der betroffenen Frauen im Land die dringend benötigte medizinische Versorgung.

Ehemalige Fistelbetroffene stossen Wandel an

In Äthiopien bleiben jährlich mehr Frauen nach einer komplizierten Geburt mit einer Fistel zurück, als behandelt werden können. Für die Betroffenen ist das fatal: Viele leben isoliert und in extremer Armut. Unser Projekt unterstützt mit einem ganzheitlichen Ansatz betroffene Frauen und versucht, mit ihrem Einbezug neue Fälle zu verhindern.

Frauen laufen für Frauen
Bern, 7. Juni 2026. Mach mit!